Wieso jede Frau in ihrem Leben einem Mann einen Drink ins Gesicht schütten sollte

Natürlich nicht irgendeinem Kerl, sondern einem unverschämten, einem, der sie respektlos behandelt, sie bloßstellt oder schlicht stinkwütend macht.

Ich finde, wir Frauen lassen uns viel zu viel gefallen. Nicht nur von Männern, sondern generell. Wie oft kommt es vor, dass euch eine freche Antwort auf der Zunge liegt, ihr aber stattdessen lieber den Mund haltet? Meistens ist für unser Schweigen irgendeine Angst verantwortlich. Angst davor, wie unser Gegenüber reagieren könnte. Davor, was die anderen von uns denken könnten. Angst vor den Konsequenzen. Und natürlich haben wir alle gelernt, was sich gehört und was nicht. Aber manchmal sollte man einfach nach seinem Bauchgefühl handeln und in manchen Fällen sagt das Bauchgefühl: Schütte ihm deinen Drink ins Gesicht.

Als ich einem Kerl meinen Drink ins Gesicht schüttete…

…habe ich in der ersten Sekunde gedacht: „Scheiße, jetzt habe ich eine Schlägerei angezettelt.“ Aber dann kam alles anders.

Damit ihr diese Geschichte besser einordnen könnt, möchte ich euch kurz etwas über mich erzählen: Als kleines Kind war ich eine richtige Rotzgöre. Ich verkleidete mich an Fasching als Räuber Hotzenplotz, gründete am ersten Tag im Kindergarten meine eigene Mädchen-Gang und lies mir von nichts und niemandem etwas sagen. Ich war für mein freches Mundwerk bekannt und ja, ich schlug mich in der Pause mit Jungs. Dann kam ich in die Pubertät, strich mein Kinderzimmer orange-rot (rosa wäre zu radikal gewesen, das kam dann mit 20), zog Kleider und Röcke an und vergaß das Mädchen, dass sich nichts bieten lies. Man könnte zynisch sagen, ich wurde sozialisiert, oder einfach, dass ich erwachsen wurde.

Für die kleine Meike wäre es nichts besonderes gewesen, einem Kerl einen Drink ins Gesicht zu schütten, da bin ich mir sicher. Aber für die erwachsene Meike war es ein ziemlich großes Ding!

Damals war ich mit meinem jüngeren Bruder und einigen gemeinsamen Freunden feiern. Eine Freundin brachte mir gerade einen Cocktail, der bestimmt über 7 Euro gekostet hat. Für mich als Studentin, ich war glaube ich 21, ein Vermögen! Mein Bruder steht neben mir und plötzlich kommt dieser Typ und macht eine herablassende Bemerkung über ihn und macht dann mich an. Hinter ihm stehen drei seiner Freunde und finden ihn unglaublich cool. Er starrt mich lüstern an und sagt – zu seinen Freunden oder zu mir, das weiß ich nicht recht – dass er es mir gerne besorgen würde. Diese Bemerkung machte mich unglaublich wütend, weil sie so respektlos war. Und ich fühlte mich machtlos. Dann bemerkte ich den Drink in meiner Hand.

© Foto: instagram/livinglocurto
© Foto: instagram/livinglocurto

Ich erinnere mich noch, es war irgendetwas Fruchtiges mit Orange und Kokos und einer dieser klebrigen Zuckerkirschen am Rand. Meine Hand war schneller als mein Gehirn und ich schüttete ihm meinen Drink mitten ins Gesicht. Es war so einfach und es fühlte sich großartig an. Sein Anblick war Gold wert. Dann kam der Moment, in dem ich dachte: „Scheiße, jetzt habe ich eine Schlägerei angezettelt.“ Aber stattdessen war der Typ einfach nur fassungslos (und seine Freunde auch). Er starrte mich ungläubig an und dann tat er etwas, das ich niemals erwartet hätte. Er entschuldigte sich. Er habe das nicht so gemeint, ich solle mich abregen. Dann drehte er sich um und ging. Ich sah ihn nie wieder aber meine Freunde, mein Bruder und ich hatten an diesem Abend eine Menge Spaß. Wir lachen heute noch darüber.

Ich weiß, die Sache hätte auch ganz anders ausgehen können (hallo Angst!) Ist sie aber nicht. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich es gemacht habe. Es fühlt sich nämlich richtig gut an, seinem Bauchgefühl ab und an zu folgen.

Ich finde es wünschenswert, dass viel mehr Frauen viel mehr Mut haben und sich nicht alles gefallen lassen. Ich bin mir sicher, im Leben jeder Frau gibt es einen Moment, in dem es ein Kerl verdient hat, ihren Drink ins Gesicht zu bekommen. Nicht lange nachdenken, einfach ausholen und der Rest geschieht von ganz allein.

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7 Comments

  1. Ganz toller Beitrag! Ich hatte selbst schonmal das Vergnügen einem unverschämten Typen, der mich auf einer Party als Schlampe bezeichnet hat, einen Drink überzuschütten. Allerdings langsam von oben herab in den Schritt, denn er saß breitbeinig auf einem Ledersessel.

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