Der ganz normale Alltag in einer männlich dominierten Welt

maennlich dominierte Welt

Wenn ich über Sexismus spreche und darüber, dass geschlechtliche Gleichstellung in unserer Gesellschaft noch lange (!) nicht erreicht ist, werde ich oft schräg angeschaut (und von Männern belächelt oder tatsächlich ausgelacht).

Dabei stolpere ich über dieses Thema beinahe täglich. Meistens sind diese Beispiele, in denen sich die Sichtweise unserer männlich geprägten Kultur widerspiegelt, recht subtil und vielleicht wird jetzt der ein oder andere Leser – oder die ein oder andere Leserin denken: Sie ist aber auch kleinlich. Dabei liegt der Teufel doch gerade im Detail. Und auf die kleinen Dinge kommt es an.

Neulich habe ich zum Beispiel einen Vortrag gehört. Das Publikum bestand zu 90 Prozent aus Frauen und das ist keine Schätzung, sondern ich habe das tatsächlich nachgezählt. In dem Vortrag ging es darum, wie die Zuhörerinnen erfolgreich ein Startup gründen und worauf es dabei ankommt. Der Sprecher war ohne Frage ein smarter Typ, eloquent und gut vorbereitet. Seine Folien waren leider komplett männlich geprägt. Es gab mehrere Beispiele von erfolgreichen Startup-Gründern: alle männlich. Es gab lustige Gifs (ihr wisst schon, diese kleinen Bewegtbilder): auch alle männlich. Natürlich wurden wir auch als „Journalisten“ bezeichnet. Und ich bin mir ganz sicher, das hat er nicht mit Absicht gemacht. Er hat schlicht nicht daran gedacht. Es kam ihm nicht in den Sinn, dass es ein Problem sein könnte, dass seine Folien ausschließlich Bilder und Beispiele von Männern enthalten.

Das Traurige dabei: Ich bin mir sicher, dass Männer niemals unabsichtlich eine Präsentation erstellen würden, in der  ausschließlich Frauen als Beispiele genannt und gezeigt werden. Außer es geht natürlich um Beauty oder Shopping. Surprise. Und falls eine solche Präsentation doch einmal ein Mann gemacht hätte, wäre es wahrscheinlich jedem sofort aufgefallen. So wie auch jede Frau, die in ihrer Präsentation ausschließlich mit weiblichen Beispielen arbeitet, eine „Emanze“ wäre. Und wahrscheinlich hätten sich die Männer sogar darüber beschwert.

Frauen hingegen, fällt das meist gar nicht auf. Das meinte ich auch mit „subtil“. Und genau das finde ich gefährlich. Denn es sollte uns sehr wohl auffallen, dass eine Präsentation, die fast ausschließlich für Frauen gemacht wird, ausschließlich aus männlichen Beispielen besteht.

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7 Comments

    1. Ist nicht auch diese These bzw. Wiederholung gängiger Rollenklischees (der Topos der Unterdrückung und des Kampfes dagegen scheint ja Teil der performativen weiblichen Identität zu sein) ebenso Teil des Problems? Die Ungleichbehandlung ist das Eine, die ständige Wiederholung (nicht Kritik!) und damit Bestätigung der Unterdrückungssituation etwas ganz anderes.

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  1. Es kann sein daß der Vortragsredner seine Präsentation nicht nur bei einer Veranstaltung benutzt. Zuhörer und Journalisten können männlich und weiblich sein. Das ist das generische Maskulinum.

    Gefällt 1 Person

  2. Ich hätte auch ein paar Beispiele mit Frauen bemüht. Deshalb für Sie ein Frauenbeispiel:

    Bet-Tina, Beet-Tina und Bett-Tina gründen ein Startup Unternehmen. Bet-Tina sagt, es wird schon gutgehen, fleißig beten und wir müssen nichts für die Altersvorsorge zurücklegen.

    Beet-Tina sagt auch für die Steuerveranlagung im Folgejahr der Gründung legen wir nichts auf die Seite. Soll das Finanzamt das Geld holen. Ich habe meinen kleinen Garten. Darin wachsen Kartoffeln und Rüben.

    Bett-Tina sagt, sagt mir wenn ihr alles besprochen habt wo ich unterschreiben muß. Ich träume derweil so reich zu werden wie Donald Trump.

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