Statussymbol Pappbecher: Warum rennen wir alle mit einem Kaffee-to-Go rum?

Schon seit jeher gelten gewisse Gegenstände als Statussymbol. Die Krone zum Beispiel, zeigt ohne dass es eines Wortes benötigt, den gesellschaftlichen Stand eines Menschen, nämlich, ein König oder eine Königin zu sein. Ebenso gut kann ein Statussymbol auch den sozialen Status widerspiegeln, so ist etwa eine Mitgliedschaft im Lions Club auch eine Art Statussymbol.

Natürlich gibt es auch primitivere Beispiele: Ein dickes Auto, eine Louis-Vuitton-Tasche oder eine prollige Goldkette. Ebenfalls ein Statussymbol, wenn vielleicht nicht auf den ersten, aber doch ganz bestimmt auf den zweiten Blick: Der Kaffee-to-Go Becher.

Ich bin wichtig, ich trinke einen Kaffee-to-Go

Der braune Pappbecher mit dem schwarzen Plastikdeckel verkörpert einen Lifestyle, der mit Adjektiven wie cool, urban und erfolgreich assoziiert wird. Du bist so busy, dass du eben keine Zeit hast, gemütlich im Sitzen deinen Kaffee zu trinken. Du hast nämlich Wichtigeres tu tun.

kaffee to Go ist cool

Wir assoziieren mit einem Kaffee-to-Go die erfolgreiche Managerin, die, eine Hand am Handy und Anweisungen an ihre Mitarbeiter gebend noch schnell am Straßenrand einen Kaffee bestellt, dabei auf die Uhr schauend: „Bitte schnell, ich habe eigentlich keine Zeit.“ Kaum erhält sie den Becher und begleicht die Rechnung mit einem 5 Euro Schein („Behalten Sie den Rest“), eilt sie Richtung Taxi. Halte ich also einen Pappbecher mit heißem Kaffee in der Hand, kann ich mich zumindest ein bisschen so fühlen wie sie. Auch wenn ich in Wirklichkeit meine Sneaker dringend mal wieder putzen sollte und mein Pullover nach Frittierfett aus der Kantine riecht.

Das Ego auf Kosten der Umwelt aufpolieren

In dem Pappbecher stecken also auf gesellschaftlicher und symbolischer Ebene jede Menge unausgesprochener Versprechen: Erfolgreich sein, angesehen und bewundert zu werden und ein aufregendes Leben zu haben. Dabei sind Pappbecher, die ja auch oft mit Plastiklöffelchen zum Umrühren und einem Plastikdeckel daher kommen, eine enorme Umweltverschmutzung. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schätzt, dass in Deutschland jährlich 2,8 Milliarden Kaffee-to-go-Becher weggeworfen werden – das entspricht 40.000 Tonnen Müll. Nicht nur zur Herstellung werden jede Menge Ressourcen benötigt – auch die Entsorgung ist ein enormer Aufwand. Die Becher sind eine absolute Umweltkatastrophe. Ego hin, Ego her. Wieso musste ausgesprochen er zum Statussymbol dieser Gesellschaft werden?

Kaffe-to-go
Foto: instagram.com/holdthatdrink

Die Alternativen gelten als „uncool“

Wir produzieren selbst dann einen Wahnsinn an Papp- und Plastikmüll, wenn wir auf den Einweg-Becher überhaupt nicht angewiesen sind. Im Büro zum Beispiel. Nach der Mittagspause geht es noch schnell zur unternehmensinternen Cafébar, bei der sich dann alle einen Kaffee zum mitnehmen bestellen. Um sich damit dann wieder an den Schreibtisch zu setzen, während in der Mitarbeiterküche die Porzellantassen ihr ewiges Dasein fristen und, wenn überhaupt, zum selbstgebrühten Tee herausgenommen werden.

Zumindest auf der Arbeit wäre es kein Problem, den Kaffee in eine eigene Tasse abfüllen zu lassen. Das Problem dabei: Die Vorstellung, jeden Nachmittag mit einer gespülten Tasse aus der Kaffeeküche über die Flure oder gar die Straße zu eilen, um sie dem italienischen Barista in die Hand zu drücken, ist irgendwie uncool. Das hat so gar nichts von geschäftigem Großstadtdflair, sondern vielmehr etwas von einer bebrillten Ökotante mit ungekämmten Haar, die gerade auf dem Weg in die Bibliothek ist und im Rucksack eine Banane für die Mittagspause dabei hat.

Und dann muss man den Thermosbecher, in den man sich alternativ seinen Kaffee abfüllen lassen kann, auch wieder selbst spülen und in der Tasche mit sich herumschleppen. Stellen wir uns noch einmal die erfolgreiche Managerin vor, wie sie, auf’s Taxi wartend, noch schnell ihren Mehrwegbecher mit einem Taschentuch trocken wischt, damit ihr die Brühe nicht in der Handtasche herumläuft. Puh. So ein Pappbecher, den man danach achtlos in den nächsten Mülleimer werfen kann, ist da natürlich viel praktischer.

Kaffee to Go Becher Großstadt
Foto: Instagram/newyorkcity

Im Grunde ist das alles eine Einstellungssache. Trends kommen und gehen und Gegenstände werden erst durch die Gesellschaft, also uns, symbolisch aufgeladen. Ich meine, bis vor Kurzem waren Schlaghosen ziemlich out. Wer sie trug, hatte offensichtlich keine Ahnung von Mode oder scherte sich zumindest nicht darum. Jetzt sind sie super hip und sie zu tragen, zeugt von echtem Modewissen. Vielleicht erfährt der Pappbecher ja ein ähnlich drastisches Schicksal und gilt in einigen Jahren als Relikt einer Epoche, in der Coolness alles war. Und unsere Kinder lachen über die Instagram-Bilder, auf denen wir lässig mit einem Kaffee-to-Go posieren.

Weder hässlich noch unnötig verspielt: Alternativen zum Kaffee-to-Go Becher

Vielleicht können wir ja zu dieser Entwicklung beitragen, indem wir uns jedes Mal im Café fragen: Habe ich wirklich nicht die Zeit, den Cappuccino hier zu trinken? Und alternativ haben wir dann vielleicht einen hübschen Mehrwegbecher in der Tasche, oder meinetwegen auch einen coolen. Da die Alternativen zum Pappbecher meiner Meinung nach oft ziemlich hässlich oder unnötig verspielt sind, habe ich mich online mal ein bisschen umgesehen. Auch aus dem Grund, weil ich mir selbst einen kaufen möchte. Vielleicht ist ja das ein oder andere Modell für euch dabei?

Mehrweg Kaffee-to-Go Becher

 

Mehrweg Kaffee-to-Go Becher

 

 

 

 

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15 Comments

  1. Die Idee der Mehrwegbecher ist natürlich gut.. bzw. besser als Wegwerfmüll.. allerdings sind diese Becher aus Material , das nicht verrottet oder nur sehr schlecht.. Plastik halt.. wären sie auch Glas oder Metall könnten sie evtl. noch recycelt werden..
    Wie all die Winterfunktionsjacken, die um Grunde Sondermüll sind.
    Ich frage mich.. müssen wir überhaupt soviel Kaffee trinken ? Und den von hier nach da tragen ?!
    Ich weiss.. schwieriges Thema..
    Gruss S.

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    1. Ja da hast du Recht. Manche der Becher, die ich vorstelle, sind aber aus recycelbarem Material, aus Bambus glaube ich, bin mir aber auch nicht mehr so sicher 😉 Deinen Ansatz finde ich jedoch super: Einfach mal weniger Kaffee trinken. Das Getränk ist ja schon zum Schmierstoff unserer Gesellschaft geworden! Aber ich muss ehrlich gestehen: Ich liebe Kaffee einfach! Hach… und ich habe schon wieder einen vor mir… 😉 Liebste Grüße, Meike

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      1. Ja.. das mit der Kaffeeliebe ist mir auch nicht fremd.. seufz… mein Glück, dass ich nur Kaffee aus der italienischen Kaffeekanne mag… das allein reduziert das Ganze schon etwas.
        Bambi ist übrigens super.. hab 2 Teller und ne Salatschüssel für den Urlaub… sieht halt nicht sooooo waaaahnsinnig toll aus, aber o.k.
        Schlurfe den Rest vom Milchkaffee( aber ich bin zu Hause)
        Guss S.

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  2. Verpackungen mehrfach zu nutzen, ist immerhin schonmal besser, als jedes mal eine neue Verpackung zu nehmen. Es wäre nur gut, wenn das überall möglich wäre. Ich hatte schonmal davon berichtet, dass ich meine Tüte vom losen Tee im selben Teeladen nicht wieder befüllt bekommen habe. Es wurden hygienische Gründe angegeben. Verrückt, oder?

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    1. Wahnsinn… Diese „hygienischen Gründe“ werden auch oft angegeben, wenn man in Cafés die eigene Kaffetasse mitbringt. Habe aber gelesen, dass das ziemlicher Unsinn ist. Solange der eigene Behälter nicht den Automaten, oder im Teeladen zB die Schöpfkelle berührt, sollte das kein Problem sein. Finde ich aber ziemlich cool von dir, dass du die wiederbefüllen wolltest!

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  3. Du sprichst mir wieder einmal aus der Seele. Ich habe schon seit langem die Idee, Becher zu sammeln und sie zu einem Baum zu dekorieren und eine Großaktion zu organisieren, aber bislang ist das nur eine Idee. Wir sind schon eine komische Gesellschaft nicht wahr. Liebe Grüße, Marie

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    1. Oh Marie, das ist eine geniale Idee! Das solltest du mal an Schulen vorstellen. Wir hatten einmal (lang, lang ist’s her…) ein „Müllprojekt“ im Kunstunterricht. Aus alten Tüten, Dosen etc. haben wir Statuen gebastelt und an der Schule aufgestellt. Und dann darüber gesprochen, was mit unserem Müll so passiert. War ziemlich cool. Könnte mir so etwas mit den Papp-Bäumen auch gut vorstellen! LG Meike

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  4. Ich habe auch gelegentlich so einen Becher in der Hand. Wenn ich Lust auf einen Kaffee habe, aber weder Zeit noch Lust, mich dafür irgendwohin oder hinein zu setzen.
    Bei den meisten Menschen die man mit diesen Bechern sieht, hat das mit Status so überhaupt nichts zu tun.
    Meinen eigenen Becher habe ich dabei, wenn ich ausreichend Platz in meiner Tasche habe und beim Verlassen der Wohnung schon weiß, dass ich heute unterwegs einen Kaffee trinken werde. Auch das hat mit Status rein gar nichts zu tun.
    Man muss nicht jedem „Einmalartikel“ gleich zu einem Drama aufpuschen. Viele dieser Becher sind schon aus recyceltem Materiel und werden auch danach wieder dem Recycling zugeführt. Darüber, dass man (auch) diese Becher nicht einfach an den Straßenrand wirft, braucht man wohl kein Wort verlieren.
    Das gilt auch für die farblich doch sehr auffallenden Verpackungen von McDoof, die ebenfalls überalle rumliegen und meines Wissens nach, nichts mit Recycling zu tun haben. Ich sehe unterwegs immer ungefähr gleich viele Menschen mit Kaffeebechern, und auch mit diesen unterschiedlichen Freßpackungen aus Pappe und Papier. Wo ist da der Unterschied ? Also zwischen Burger Karton und Kaffeebecher ?

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