Wir brauchen nicht alle sechs Wochen ein neues Wegwerf-Shirt von Zara und Co.

Fair Trade Kleidung online kaufen

Schon als ich das Buch Frauen und Kleider im vergangenen Jahr gelesen habe, kam mir immer wieder der Gedanke: Eigentlich kaufen wir viel zu viele Klamotten. Ich meine, brauche ich jeden Winter einen neuen Pullover? Und im Sommer neue Sandalen? Schuld daran ist zu großen Teilen die Modeindustrie, die sich immer schneller dreht, immer mehr Kollektionen auf den Markt bringt und jedem das Gefühl gibt: Du brauchst dieses neue Teil! Also rennen wir immer öfter in die Fußgängerzonen und tragen Plastiktüten voll neuer Trendteile nach Hause. 

Dabei ist das gar nicht nötig. Viel eleganter ist es doch, zeitlose, klassische Kleidung zu tragen; hochwertig produziert und so mehrere Jahre tragbar. Anstatt drei Billig-Pullover aus Polyester und Viskose im Schrank zu haben, vielleicht nur einen, der dafür aber aus Kaschmir ist? 

Fair Trade Pullover
Pullover aus fairem Handel von TRICOTAGE, Foto: TRICOTAGE

Und wenn wir schon bei klugem Konsum sind, wieso dann nicht gleich auf fair produzierte Kleidung achten? So schwer ist das heute nämlich gar nicht mehr. Es gibt etliche stilvolle, zeitgemäße Modemarken, die Kleidung unter fairen Bedingungen herstellen. Meine Favoriten nenne ich euch weiter unten im Beitrag. 

Der Teufelskreis der billigen Mode

Spätestens seit dem Unglück in Bangladesch weiß jeder: Die Arbeitsbedingungen für Näherinnen und Näher in Entwicklungsländern sind unzumutbar – und lebensgefährlich. Trotzdem denken die wenigsten an diese Tatsachen, wenn sie ein Shirt für 5,90 € oder eine Jeans für 29 € kaufen. Hauptsache billig und hip! Denn mit dem gesparten Geld möchte man danach schließlich noch mit der Freundin im Szene-Café entspannen.

Es ist ein Teufelskreis: Kleidung wird immer günstiger, was wiederum dazu führt, dass noch mehr eingekauft wird, und auch viel häufiger, da die Kleidung oft nur eine Saison hält oder danach weggeworfen wird, um wieder Platz für Neues im Schrank zu schaffen. Zur Änderungsschneiderei zu gehen oder etwas selbst zu reparieren, diesen Aufwand betreiben nur noch die wenigsten.

Die Folge: Es wird noch mehr Billigkleidung produziert, aufgrund der steigenden Nachfrage. Meist werden zur Herstellung schädliche Chemikalien benutzt, die in westlichen Ländern verboten sind, da sie krebserregend sind und Allergien begünstigen. Der Grund, weshalb Kleidung vor dem ersten Tragen unbedingt gewaschen werden muss. Dann allerdings landen die bedenklichen Stoffe in unseren Gewässern und verschmutzen die Umwelt.

Fair produzierte Kleidung kaufen: Darauf sollte man achten

Die wenigen, die sich dafür entscheiden, bei diesem Wahnsinn nicht mehr mitzumachen, stehen vor einem Problem: Wo gibt es faire Kleidung zu kaufen? Und woran ist zu erkennen, ob sie wirklich unter fairen Arbeitsbedingungen entstanden ist? Immerhin werden mittlerweile fast alle Kleidungsstücke in Fernost produziert. Bedeutet das automatisch, dass die Kleidung durch Ausbeutung anderer entstanden ist? Und: Ist den Näherinnen und Nähern tatsächlich geholfen, wenn wir die Billig-Kleidung einfach nicht mehr kaufen?

In Bangladesch ist die Textilbranche beispielsweise der wichtigste Arbeitgeber und die vielen Jobs für Näherinnen halfen, das Frauenbild zu modernisieren und ihren Status in der Gesellschaft zu verbessern. Wenn wir nur noch Kleidung aus Europa kaufen, geht es ihnen dann vielleicht noch schlechter, weil wir ihren Arbeitsplatz überflüssig machen?

Fair Trade Fashion: Erkennungsmerkmale fair produzierter Kleidung

Die Klamotten müssen nicht unbedingt Made in Germany sein. Allerdings sollten die Arbeitsbedingungen, unter denen sie entstanden sind, fair sein. Fair Trade Fashion erkennt man, wie Lebensmittel auch, an dem Grün-Blauen Fairtrade-Siegel auf schwarzem Hintergrund.

Fair Trade Jeans
Das holländische Unternehmen Kuyichi hat sich vor allem auf fair produzierte Jeans spezialisiert. Foto: Kuyichi

Marken wie Mela (coole Rucksäcke und Strickwesten), Wunderwerk (schöne Pullover), Hess Natur (große Auswahl), Lanius (Deutsche Ökomode aus Köln), Jan ’n June (lässige Basics aus Hamburg), Von Hund (schöne, schlichte Basics), Folkdays (hübscher Schmuck), Veja (vor allem bekannt für ihre tollen Sneaker!), Kuyichi (haben super Jeans), People Tree (schöne, schlichte Klamotten) und Nudie Jeans (Männerkleidung) achten bei der Produktion ihrer Kleidung auf die Einhaltung von Kernarbeitsnormen (etwa eine 48 Stunden Arbeitswoche, gewerkschaftliche Organisationsfreiheit, einen Tag pro Woche frei, Sozialversicherungsschutz, ausreichend sichere Arbeitsbedingungen) und lassen diese auch von einer unabhängigen Stelle kontrollieren.

Etwas teuer, aber super schön sind Luxaa (deutsches Designerlabel, das ausschließlich in Deutschland und Polen produziert), Filippa K, A Kind Of Guise,

Alternative Onlineshops zu Zalando und Asos: Fair Fashion online kaufen

Ich persönlich shoppe ziemlich viel online und stöbere dafür am liebsten auf großen Online-Shops wie Zalando oder Asos. Viel besser sind jedoch Möon, Zündstoff, Wertvoll, Mr. and Mrs. Green, Gather & See, der Avocadostore, Glore oder Greenality: Allesamt Fair-Fashion-Online-Shops mit einer tollen Auswahl.

Fair produzierte Ledertasche
Fair produzierte Ledertasche von O MY BAG (Foto: O MY BAG)

Grüne Mode mit einer Shopping-Add erkennen

Natürlich findet man auch auf Zalando und Co. Grüne Mode. Damit man nicht stundenlang suchen muss, kann man sich die Shopping-Add WeGreen auf den Rechner laden, die ähnlich funktioniert, wie ein Add-Blocker.

Ist sie aktiviert, werden Produkte beliebiger Online-Shops und Preissuchmaschinen mithilfe einer Nachhaltigkeits-Ampel auf Umweltfreundlichkeit und Fairness bewertet. Grün bedeutet gut, gelb mittelmäßig und rot schlecht. So erkennt jeder schnell, wie umweltfreundlich, fair und transparent die jeweiligen Produkte und deren Hersteller sind.

Zugegeben: Die Fair Trade Kleidung ist meist teurer und schwieriger zu finden, weil man vielleicht ein paar mehr Online-Shops durchstöbern muss, bis man etwas passendes findet. Aber: Ihr werdet dieses Kleidungsstück mit einem ganz anderen Gefühl tragen, nämlich mit Stolz. Und das ist den Mehraufwand allemal wert.

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9 Comments

  1. So nun komme ich auch mal zum antworten. Es tut mir jetzt schon leid wenn mein Kommentar sehr lang wird. Ich finde du hast da ein sehr wichtiges und aktuelles Thema angesprochen. Wie du ja weißt, gehöre ich ja quasi zur dunklen Seite der Macht 😉
    Ich gestehe, ja ich bin so ein typischer „Konsum“ Shopper. Ich schäme mich auch nicht dafür. Oft hatte ich die Diskussion mit meinem Mann- „Warum noch ein paar Schuhe, du hast doch schon ein Shirt in dieser Farbe usw…“
    Ja das stimmt alles. Dein Beitrag hat mich überlegen lassen warum mein Kleiderschrank aus allen Nähten bricht, ich Teile finde die ich schon vergessen hatte und die immer noch ihr Preisschild haben ohne je getragen geworden zu sein.
    Ich glaube es ist in meinem Fall eine Mischung aus Berufskrankheit und Belohnungssystem. Wenn man Tagtäglich an der Quelle sitzt und dann noch den Vorteil eines Personalrabattes genießt, summiert sich das ganz schnell. Es ist nicht unbedingt die schnelle Modebranche mit ihren Trends die mich dazu veranlasst Teile zu kaufen, nein es ist eher dieses- haben will. Tatsächlich habe ich viele Freundinnen die sich lieber ein teures Markenteil kaufen anstatt wie ich, immer wieder meinen Schrank ausmiste. Ich bekomme tatsächlich Panik bei dem Gedanken Jahrelang mit der gleichen Tasche durch die Gegend zu laufen, nur weil dieses eben 500€ gekostet haben.
    Ich liebe es mich immer wieder neu zu erfinden und ebenso habe ich Spaß daran meine alten Teile bei Ebay zu verkaufen.
    Kommen wir mal zu dem Moralischen Aspekt. Natürlich bin auch ich täglich mit der Situation in Bangladesch oder nun Asien und Afrika konfrontiert. Es ist wohl kein großes Geheimnis das mein Unternehmen einen großen „Arbeitgeber“ in diesen Ländern darstellt und definitiv nicht den besten Eindruck dabei hinterlässt. Ich, also nicht der Mitarbeiter, denke auch das ich es kritisch sehe wenn es Firmen wie H&M, Mango oder Zara nicht geben würde. Auch ich teile die Meinung, dass es den Menschen dann vielleicht noch „schlechter“ gehen würde, was wohl nicht die beste Formulierung ist. Den, was dort als Arbeitsplatz verkauft wird, würde von uns wohl niemand machen. Es ist für mich ein schmaler Grad. Wenn ich dann aber wieder an unsere Kunden beim Sale denke, die wie die Tiere für eine Hose kämpfen die mal 39,99€ gekostet hat und nun nur noch 10€ kostet und sie immer noch einen Grund suchen Rabatt zu bekommen…Dann wird mir schlecht. Es ist ein Teufelskreis.
    Lebe ich sonst in meinem Leben sehr bewusst, achte ich beim Einkaufen auf Bio oder was ich so tagtäglich in mich reinstopfe, fällt es mir in Bezug auf Kleidung schwer umzudenken. Auch für die Chemikalien an oder in der Kleidung wird man Berufsblind. Oft, wenn wir neue Ware bekommen und ich eine Box öffne, weht mir ein Duft entgegen der mir sagt- Danger!
    Es gibt viele Gefahren mit denen wir so leben und die uns vielleicht auch bewusst sind, sogar selbstverständlich, wir uns aber keine weiteren Gedanken darüber machen, weil es uns selber vielleicht noch nie schlecht ging deswegen.
    Und so werde wohl auch ich wieder zu dem 15. Schwarzen Kleid greifen und es kaufen, weil es so schön ist und ich einen anstrengenden Tag hatte und eine Belohnung brauche 😉

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    1. Hallo meine Liebe! Ich verstehe dich total. Mir geht es tatsächlich oft genauso und ich bin leider auch ein totales Sale-Opfer -.- Aber im vergangenen Jahr habe ich gemerkt, dass ich so langsam an der Sättigungsgrenze angekommen bin und es gerade cooler finde, hochwertige Kleidung zu kaufen, dafür aber weniger. Deshalb habe ich mir das mal so als Neujahrsvorsatz gesetzt… mal schauen, wie das so läuft 😉 Und ich kann dir nur das Buch Frauen und Kleidung empfehlen! Es ist inzwischen eines meiner Lieblingsbücher, es ist so inspirierend und positiv… und besteht aus lauter kurzen Texten, so dass man immer wieder darin blättern kann. :-*

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