Finde deinen Stil und stehe dazu!

Zu viele Menschen leben, was ihre Kleidung betrifft fremdbestimmt. Als Kind zieht man das an, was die Mutter für schön erachtet und dann trägt man meist, was einem die Modebranche anhand von Werbung, Schaufensterauslage und aktuellen Kollektionen nahelegt. Das ist meist keine bewusste Entscheidung, sondern schlicht unbewusstes Handeln. Schaut euch nur mal um. Diesen Sommer kommt man nicht an schulterfreien Hemdblusen oder Kleidern vorbei (dabei stehen sie meiner Meinung nach den allerwenigsten), sieht überall Birkenstocks und überweite Kleidungsstücke, die sackartig an einem herunterhängen. Warum? Na, weil es gerade Mode ist! Die allerwenigsten denken wirklich darüber nach, was sie tragen und vor allem: warum. Dabei machen Kleider Leute, dieses uralte Sprichwort stimmt nunmal! Was wir tragen hat einen unheimlich großen Einfluss auf unser Umfeld. Wir werden daran beurteilt und kategorisiert.

Alles hat eine bestimmte Wirkung nach außen

Ein Beispiel: Wer in einem pinkeln Flanell-Pullover und ausgewaschener Jeans auftritt, wird bei weitem nicht so ernst genommen, wie dieselbe Person in einem gut sitzenden Kostüm. Ich kann euch nur raten, das mal auszuprobieren. Zum Beispiel ganz banal an der Supermarkt-Kasse, in einer Bank oder in einem Restaurant. Im bequemen Schlabber-Look werde ich geduzt, selten ernst genommen und oft an der Kasse (zum Beispiel beim Bäcker!) übergangen, also nicht dann dran genommen, wenn ich eigentlich dran wäre. Habe ich ein Business-Outfit an, mit einem Blazer, der breite Schultern macht und am besten noch mit Klick-Klack-Schuhen – ist das Gegenteil der Fall. Und ich werde gesiezt.

Ich sage nicht, dass das eine besser ist, als das andere. Aber man muss sich dieser Wirkung bewusst sein. Manchmal kann es durchaus hilfreich sein, übersehen und belächelt zu werden. In anderen Fällen ist es ein Nachteil.

Macht euch deshalb bewusst, was ihr mit eurem Kleidungsstil ausdrücken wollt. Kompetenz? Mut? Spontanität? Wollt ihr seriös rüberkommen oder lieber etwas verrückt und wild? Im besten Fall unterstreicht die Kleiderwahl den eigenen Charakter. Das hat zwei Vorteile:

  1. Man fühlt sich in den Sachen automatisch wohl, und das merken auch die Mitmenschen.
  2. Bereits auf den ersten Blick wird klar, mit wem man es zu tun hat. Die anderen können sich besser auf einen einstellen.

stil

Wer bin ich und wie kleide ich mich?

Es hilft, in seinen Kleiderschrank zu schauen und sich zu überlegen: Was sind meine Lieblingsteile und warum? Welche Klamotten spiegeln meinen Charakter wieder? In welchen Stücken fühle ich mich besonders wohl, warum?

Und dann fragt euch auch: Welche Sachen ziehe ich besonders ungern an – warum? Was hatte ich schon sehr lange nicht mehr an – warum? Und schließlich: Welchen Kleidungsstücken bin ich entwachsen? Und damit meine ich nicht die physische Größe, sondern die mentale. Also, für welche Blümchenkleider bin ich zum Beispiel einfach schon zu alt. Andere trugen mit 16 liebend gerne rosa, doch muss heute immer noch der halbe Kleiderschrank aus der zuckersüßen Puderfarbe bestehen? Und dann: weg damit. Trennt euch von diesen Altlasten.

Überlegt euch gut, mit was ihr den neu gewonnenen Platz auffüllen wollt und schaut vielleicht nicht nur in H&M, Zara und Mango vorbei, sondern stöbert in Secondhand Läden und auf Flohmärkten, oder vielleicht sogar in Mutters Kleiderschrank?

Sich über den eigenen Kleidungsstil Gedanken zu machen, hat viel damit zu tun, über sich selbst nachzudenken. Das ist nicht immer einfach und braucht vielleicht auch etwas Zeit. Aber es bringt einen ein Stückchen näher zu sich selbst und hilft, den eigenen Charakter besser zu verstehen.

Wenn du deinen Stil gefunden hast – stehe dazu

Dir ist klar geworden, dass du Pailletten einfach super findest oder am liebsten lange Kleider trägst? Dass du auf bunten Kitsch stehst oder gerne die Hemden deines Freundes trägst? Dann stehe dazu und lasse dich von nichts und niemandem verunsichern. Es gibt nur eine Person, die deinen Stil kennt: Du.

Oft kaufen wir Dinge aus Gewohnheit, auch wenn sie vielleicht gar nicht mehr zu uns passen. Fragt euch also bei zukünftigen Käufen: bin das wirklich ich? Wenn ihr unschlüssig seid, spart euch das Geld und geht damit lieber ein saftiges Stück Kuchen essen. Und fallt bloß nicht auf die ganzen Angebote im Sale herein! Wie oft habe ich schon tütenweise Billigramsch nach Hause geschleppt, um ihn irgendwann in der letzten Ecke meines Kleiderschranks zu finden? Ungetragen? Auch hier ist ein Kuchen die bessere Investition 😉

Stilregeln, die ich bisher gelernt habe

  1. Es ist viel schwerer, sich einfarbig anzuziehen, als bunt. Aber es sieht fast immer besser aus
  2. Jedes Kleid sollte Taschen haben, um die Hände reinzustecken
  3. Auf die Arbeit kann man alles tragen, solange man dabei keine Unterwäsche sieht
  4. Habe immer frische Blumen im Haus
  5. Die meisten Frauen nutzen nur 30% ihres Kleiderschranks. Werde kreativ. Du kannst ein T-Shirt als Turban tragen oder ein langes Hemd als Rock!
  6. Polyester ist einfach scheiße. Man stinkt sofort.
  7. Ein Pullover ist im besten Fall aus Kaschmir und eine Bluse aus Seide.
  8. Es ist besser, einen hochwertigen Pullover und eine hochwertige Bluse im Kleiderschrank zu haben, statt fünf Billigkopien aus schlechter Qualität und minderwertigen Materialien
  9. Wenn Haut und Haare gepflegt sind, sieht auch ein Sack an einem gut aus
  10. Achte auf eine gute Haltung. Schultern nach hinten, Brust raus, Bauch rein. Ist gesund und sieht toll aus. Aber nicht übertreiben!

Buchempfehlung

Drei Bücher über Stil, Mode und Persönlichkeit, die ich liebe (von links nach rechts: Garance Dore: Love, Style, Life // Sophie Mas, Audrey Diwan, Caroline de Maigret und Anne Berest: How to be Parisian wherever you are // Leanne Shapton, Sheila Heti und Hedi Julavits: Frauen und Kleider)

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