„Ich würde mich gerne selbst besser kennenlernen“

„Ich bin so jemand, der sich über alle möglichen Dinge den Kopf zerbricht. Warum sind Menschen so wie sie sind. Warum handeln sie so oder so. Das schließt mich selbst natürlich nicht aus – ganz im Gegenteil. Über mein eigenes Handeln mache ich mir die allermeisten Gedanken. Deshalb kommt auch ständig die Frage auf, wer ich eigentlich bin. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger komme ich auf einen grünen Zweig.

Also habe ich mir überlegt, woran das liegen könnte…

Mein Leben war in letzter Zeit oft fremdbestimmt. Als ich mit dem Abitur fertig war, vor gut zwei Jahren, hatte ich einen Plan: Ich wusste, dass ich etwas mit Journalismus machen möchte – nur was genau, darüber war ich noch unschlüssig. Also wollte ich erst einmal ein Jahr lang verschiedene Praktika absolvieren. Danach plante ich einen Auslandsaufenthalt. Ich wollte nach Buffalo, auf eine Ranch und dort mitarbeiten, ein bisschen Work-and-Travel. Und danach studieren. Doch dann kam alles ganz anders, als geplant.

Mir wurde während eines Praktikums sehr überraschend ein Volontariat angeboten. Die einzige Bedingung war ein Aufnahmetest, den ich bestehen musste, und ein abgeschlossenes Studium. Da ich direkt aus der Schule kam, nahm ich den Test gar nicht so ernst. Ich dachte: Das schaffe ich sowieso nicht!

Aber ich habe ihn bestanden, die Regelung mit dem Studium wurde geändert und plötzlich war ich Volontärin in einem riesigen Verlag. Das war überwältigend und eine riesige Chance. Also habe ich angefangen zu arbeiten und von heute auf morgen hatte ich einen geregelten Tagesablauf mit einem Achtstunden-Job im Büro – anstatt erst einmal ins Ausland zu gehen und dann ein Studium zu beginnen. Bei mir kam noch dazu, dass ich zur Arbeit gependelt bin und daher auch noch zusätzlich drei Stunden am Tag im Zug saß. . Da blieb wenig freie Zeit um nachzudenken, über mich und wo es hin gehen soll.

Ich habe diesen Schritt nie bereut. Die Erfahrungen, die ich in meinem Volontariat gesammelt habe, werden mir mein Leben lang nützlich sein. Und überhaupt, ein abgeschlossenes Volontariat in der Tasche zu haben wird mir später sehr hilfreich sein, davon bin ich überzeugt. Jetzt ist es fast zu Ende und meine Redaktion hätte mich wahrscheinlich übernommen. Aber so gern ich den Job mache und so sehr ich meine Kollegen mag, musste ich ablehnen. Mir war einfach klar geworden, dass ich jetzt meinen Weg gehen und meine Entscheidungen selbst treffen muss.

Ab Oktober werde ich Soziologie studieren. Das passt zu mir – zu meinem ständigen „sich-Gedanken-machen“ – weil ich andere Menschen interessant finde und Dinge gerne analysiere. Ich hoffe, dass ich während des Studiums mehr zu mir selbst finde und die Zeit haben werde, mich besser kennen zu lernen. Wahrscheinlich wird jeder sagen: Das kommt ganz von alleine. Ich hoffe mal, dass das bei mir auch so ist – und ich meiner verkopften Selbstfindung mit Taten und Ausprobieren auf die Sprünge helfen kann!“

Annabell (22)

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5 Comments

  1. Liebe Annabell,
    dein Beitrag gefällt mir ganz besonders gut, da er mich in meiner momentanen Situation sowas von anspricht. Ich (26) habe mein Ziel des Studiums der Naturwissenschaften gerade – ziemlich unerwartet – komplett über den Haufen geworfen. Ich durfte leider erst im Studium feststellen, dass mein Interesse zwar groß war, aber der Studiengang so gar nicht zu mir passen wollte.

    ~> „sich-Gedanken-machen“ – weil ich andere Menschen interessant finde und Dinge gerne analysiere

    Das könnte eine Beschreibung über mich selbst sein. 😉
    Daher interessiert mich ganz besonders, wie du dich für Soziologie entschieden hast! Ich stehe jetzt wieder ganz neu vor dem Prozess der „Selbstfindung“, des Herausfindens, was ich wirklich will und bin und bin über jederlei Impressionen sowas von dankbar. (:

    Liebe Grüße
    Alex

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  2. Liebe Alex, danke für deinen Kommentar – und dass du dir so viel Zeit genommen hast, ihn hierzulassen 🙂 Ich bin auf Soziologie gekommen, weil ich immer wieder Interviews zu spannenden Themen gelesen habe – und immer waren sie mit Soziologen. Jedes Mal wenn es Antworten auf Fragen gab, die ich mir auch schon gestellt hatte, kamen sie von Soziologen… und so weiter. Etwas plump ausgedrückt: Ich würde die Welt gerne ein bisschen besser verstehen und da es die Menschen sind, die sie ausmachen, muss ich die wohl zuerst verstehen 🙂

    Gefällt 1 Person

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