„Nach dem Studium einen Job – und nicht in endlosen Praktika ausgebeutet werden“

Ich studiere im 6. Semester Fotodesign an einer Hochschule. In zwei Semestern bin ich mit meinem Studium fertig und wünsche mir nichts mehr, als einen Job danach.  Aber in meiner Branche ist es nicht so, dass man nach dem Studium direkt eine feste Anstellung bekommt und finanziell unabhängig ist.

Fast alle müssen danach erst einmal verschiede Praktika machen. Ich finde das prinzipiell nicht so schlimm, aber meistens sind diese Praktika dann so schlecht bezahlt, dass man nicht davon leben kann.

„In der Kreativbranche wird man während und nach des Studiums oft beruflich ausgenutzt“

Auch während des Studiums müssen wir in den Semesterferien viele Praktika machen. Es wird von uns verlangt, viel und hart zu arbeiten, Überstunden sind an der Tagesordnung – und im Gegenzug bekommt man keinen oder nur einen sehr geringen Lohn. Ist man dann mit dem Studium fertig und bewirbt sich, gibt es nur Stellenangebote, die mindestens drei Jahre Berufserfahrung fordern und dann fragt man sich schon: Wie soll man das als Berufseinsteiger machen?

Deshalb machen viele erst einmal erneut Praktika. Das wissen die Firmen natürlich auch und nutzen das für ihre Vorteile aus. Heißt: Man bekommt entweder wieder überhaupt kein Geld für einen Vollzeitjob oder einen minimalen Lohn, meist nicht mehr als 400 – 600 Euro Brutto. Dafür stellen sie einem dann in Aussicht, eine Festanstellung zu bekommen, wenn man sich bewährt hat. Dann gibt man natürlich alles für den Job und wieder sind Überstunden an der Tagesordnung, manchmal arbeitet man sogar ein ganzes Wochenende durch. Trotzdem bekommt man danach nicht immer den Job, weil es etwa „an Ressourcen fehlt“, oder weil „leider gerade keine Stelle frei ist“ – nicht, weil man nicht gut genug war.  Und so kommt es, dass Absolventen ein Praktikum nach dem anderen machen, trotz eines Hochschulabschlusses in der Tasche.

Ich finde es schade, dass kreative Menschen so oft ausgenutzt werden. Viele Firmen setzen darauf, regelmäßig Praktikanten zu haben und stellen einen nach dem anderen ein, obwohl sie daraus auch eine vollwertige Stelle machen könnten.

Vor meinem Studium hatte ich mit Fotografen gesprochen und viele haben mir gesagt, dass es schwer wird und die Bezahlung meist miserabel ist. Aber Fotografie und Design sind eben die Dinge, in denen ich wirklich gut bin und es war auch das einzige, das ich mir wirklich für mich vorstellen konnte. Aber es ist dann natürlich eine Überwindung, wenn man weiß, was nach dem Studium auf einen zukommt. Trotzdem habe ich mich dafür entschieden, aber es macht mich wütend, dass wir so ausgebeutet werden.

 

Ich möchte unerkannt bleiben und weder mein Alter, noch meinen Namen nennen. Weil ich Angst habe, dass diese Äußerungen mein Berufsleben in Zukunft negativ beeinflussen könnten oder dass jemand diesen Text liest und mir einen Strick daraus dreht.

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4 Comments

  1. Ich denke nicht das dir eine offene Stellungnahme mit Namen schaden wird…und ferner : ich habe auch studiert (FH Dortmund) , vorher Lehre ,jetzt Freiberufler…Fotodesigner neudeutsch….wenn Das also dein Ding ist, wieso Praktika ?…Suche Gleichgesinnte, baue dir eine Mappe…die ist dein Ding, gehe los…entwickel Energie…mach es selbst…ständig…Praktika sind sch…und helfen nicht weiter…und Festanstellungen kannst du in unserem Bereich weitestgehend vergessen…also springe…allein oder mit mehreren…sonst wird das nichts…
    Viel Erfolg…und bei Fragen gerne mailen….
    LG Jürgen

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