Warum wir aufhören müssen, ständig wütend zu sein

wütend

Es war einmal eine Blumenwiese. Darin wuchsen die verschiedensten Blumen: große, kleine, welche mit dicken Blüten und andere, mit feinen, zarten Blüten, in allen Farben, wild durcheinander. Inmitten dieses bunten Durcheinanders gab es ein Blümchen, das hatte stets schlechte Laune. Wenn die Sonne schien, wurde ihm sofort zu heiß. Und wenn es regnete, war es ihm zu nass. Gab es keinen Wind, wollte es sich bewegen und windete es, wollte das Blümchen lieber still stehen. Es sehnte sich am Tag nach der Nacht und in der Nacht nach dem Tag.

Das Blümchen hatte es schwer, Freunde zu finden. Denn an allen hatte es etwas auszusetzen: Das lila der einen Blume war ihm zu grell, die Blätter der anderen zu groß. Es mochte den komisch krumm gewachsenen Stengel der Blume links neben ihm nicht und ebenso wenig den Duft der Blume zu seiner Rechten.

Das Blümchen verbrachte seine Tage damit, wütend zu sein. Es dauerte nicht lange und die saftigen, grünen Blätter des wütenden Blümchens bekamen braune Flecken. Seine roten Blütenblätter wurden schlaff und glanzlos.

Eines Tages kamen zwei Schnecken an dem Blümchen vorbei. „Mach einen großen Bogen um die da!“, sagte die eine Schnecke zur anderen: „Sie ist giftig!“ „Wieso sind denn seine Blätter so braun und die Blüten so kraftlos?“, fragte die andere. „Man sagt, dass es so wütend ist, dass es selbst das Regenwasser vergiftet, das es aufnimmt. Es macht sich selbst krank“, erklärte die Schnecke.

Das Blümchen hörte all das und es konnte nicht anders – es wurde noch wütender. „Was fällt diesen Schnecken ein?! Die haben doch keine Ahnung!“, zischte es zu sich selbst. Ein Grashüpfer, der gerade in der Nähe war, bekam all das mit. Er sprang zu ihm. „Wenn du lernst, zu akzeptieren, dass die Welt nicht so funktioniert, wie du es gerne hättest, wird es dir besser gehen. Du bist ein winzig kleiner Teil im großen Ganzen. Und du hast die Wahl: du kannst dich entscheiden, an allem etwas auszusetzen. Dann bleibt es wie gehabt. Aber glaube mir, der einzige, der dabei verliert bist du. Denn es interessiert keinen, ob du schlecht gelaunt bist. Aber für dich macht es einen großen Unterschied. Es macht dich krank, denn du steckst all deine Energie in negative Gedanken. Wenn du dich aber dafür entscheidest, die Dinge zu akzeptieren wie sie sind, und dich auf das Wesentliche konzentrierst – dann wird dein Leben so viel schöner sein.“

So hatte noch nie jemand mit dem Blümchen gesprochen und es war sehr überrascht. Es unterdrückte seinen ersten Impuls, nämlich den Grashüpfer einen Idioten zu nennen. Stattdessen sah es an sich herunter. Und da bemerkte das Blümlein zum ersten Mal seine braunen Blätter, es bemerkte, wie schlaff und glanzlos seine Blüten waren. Wieso war ihm das nie aufgefallen?

Und dem Grashüpfer entging auch das nicht. „Es wird nicht einfach werden. Glück ist ein hohes Gut, das sich schnell verflüchtigt, wenn man nicht weiß, wie man es festhält. Unglücklich zu sein hingegen ist viel einfacher. Aber wenn du willst, kann ich dir helfen.“

Das Blümlein konnte nur nicken. Zu erschrocken war es über die neue Erkenntnis, von der es soeben eine erste Kostprobe bekommen hatte.

Fortan kam der Grashüpfer jeden Morgen, mit den ersten Sonnenstrahlen und besuchte seinen neuen Freund. Manchmal saßen sie lange beieinander und niemand sagte etwas und manchmal erzählte der Grashüpfer tolle Geschichten oder Witze, von denen das Blümlein so lachen musste, dass alle Blüten durchgeschüttelt wurden. Schon bald sehnte es sich nichts sehnlicher herbei, als das leise knacken der Gräser, die den Grashüpfer ankündigten. Er war stets von einer zufriedenen Gelassenheit umgeben. „Wie herrlich es heute duftet!“, sagte er an einem Tag und an einem anderen: „Ah, ich spüre es: bald wird es regnen! Gibt es etwas, das köstlicher auf der Haut prickelt, als ein ordentlicher Regenguss?“

Eines Tages, das Blümlein wartete schon auf das verräterische Rascheln – blieb es still. Der Grashüpfer war nicht gekommen. Da lächelte es, blinzelte in die Sonne und dachte bei sich: „Was für ein schöner Tag, um die Ruhe zu genießen.“  Seine Blätter hatten das saftigste Grün und seine Blüten waren von einem Glanz umgeben, den es auf der Wiese kein zweites Mal gab. Es hatte gelernt glücklich zu sein.

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