Wieso es okay ist, alleine ein Glas Wein zu trinken

Gönn dir einen Drink

Nach einem anstrengenden Arbeitstag komme ich nach Hause. Die Wohnung ist ruhig und leer – niemand daheim bis auf meinen Kater, der sich genüsslich auf seinem Kratzbaum räkelt. Ich setze Wasser auf, koche mir ein paar Nudeln und als ich die Pesto aus dem Kühlschrank hole, greife ich direkt zur Weinflasche und schenke mir ein Glas ein. Nur ein Schwein trinkt allein? Quatsch! Ich liebe ein gutes Glas Wein am Abend (nicht jeden!) und finde es absolut okay, dieses auch mit mir selbst zu trinken – und sonst mit niemandem. Wer kam überhaupt auf die Idee zu behaupten, Alkohol könne man nur in Gesellschaft trinken?

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es nicht gut, sich abends eine halbe Flasche Hochprozentiges hinter die Birne zu kippen und ebenso wenig finde ich es gut, jeden Abend alleine vor dem Fernseher zu verbringen und zu Trinken. Genauso wenig finde ich es allerdings gut, wenn Frauen ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie sich alleine eine Flasche Wein aufmachen. Wein hat etwas mit Genuss zu tun – und was ist falsch daran, für sich alleine zu genießen?

Wir haben verlernt, Dinge nur mit uns zu tun

Das ist ein generelles Problem: Heutzutage muss man alles in Gesellschaft tun (oder es zumindest online teilen), was irgendwie toll ist. Sonst ist es schon fast so, als wäre es nicht passiert. Also gehen wir zusammen in den neuen Kinofilm, wir gehen zusammen in die Eisdiele und zusammen in den Urlaub. Etwas alleine zu tun, kommt schon beinahe einer Mutprobe gleich. Das Handy dann auch noch weg zu legen – eine Zumutung. Aber man kann ja klein anfangen – etwa bei einem Glas Wein.

Neulich hat mir eine Kollegin von ihrem Urlaub vorgeschwärmt. Sie hatte Liebeskummer und entschied sich kurzerhand, allein zu verreisen. Eine Woche lang. Nach Thailand. Zuerst war es komisch für sie, allein im Restaurant zu sitzen. „Nein, ich warte auf niemanden. Ich esse allein.“ Und zu Beginn bemerkte sie auch die Blicke der anderen, die sie teils mitleidig, teils misstrauisch beäugten. Doch das beklemmende Gefühl verwandelte sich schnell in etwas anderes: Zufriedenheit. Sie tat, auf was sie Lust hatte, wann sie dazu Lust hatte und so lange sie dazu Lust hatte. Eigentlich müsste das gerade unserer Gesellschaft absolut taugen – so Ich-bezogen wie heute, war schließlich noch keine Generation zuvor! Es ist der perfekte Egotrip. Trotzdem hindert uns irgendetwas daran, auf uns selbst zu setzen, anstatt auf andere. Für meine Kollegin wurde es der schönste Urlaub, den sie je hatte und sie genoss jede Minute davon – mit sich selbst.

 

Einen Drink am Abend
In diesem Sinne, Prost Ladies, auf uns! Foto: instagram/manrepeller
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3 Comments

  1. Vor der Schwangerschaft habe ich mir auch ab und zu ein Glas Wein gegönnt, wenn die Kinder im Bett waren. Wozu sollte ich warten bis der Mann nachhause kommt. Ich sehe es auch als Genussmittel, welches man sich genehmigen kann. Ob nun mit oder ohne Gesellschaft..
    LG

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  2. Als ich alleine gewohnt habe, hat mich die Vorstellung, eine Flasche Wein nur für mich alleine aufzumachen, abgeschreckt. Inzwischen trinke ich gerne mal ein Glas zum Feierabend. Zuletzt habe ich mir sogar die Next-Level Variante gegönnt: Ich bin alleine ins Kino gegangen und mich selbst mit einem Kelch Rotwein für meinen Mut belohnt 🙂

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