„Ich wünsche mir meine Katze Anuk zurück“

Ich weiß nicht, wo Anuk – meine Katze – jetzt lebt, weil ich sie vor Kurzem abgeben musste. Ich hätte die Möglichkeit gehabt, mitzuverfolgen, zu welcher Familie Anuk kommt, und ich hätte sie regelmäßig besuchen können. Aber das hätte mir zu sehr das Herz gebrochen.
Vor vier Monaten habe ich einen neuen Job angenommen, in einer neuen Stadt. Aber ich habe an meinem neuen Wohnort einfach keine Wohnung gefunden, in die ich meine Katze hätte mitnehmen können. Anuk ist es gewöhnt, raus zu gehen. Sie fängt liebend gerne Mäuse, die sie dann auch gerne durch’s Wohnzimmer jagt und mir hinlegt, wenn sie sie erlegt hat. Jetzt wohne ich an einer Hauptverkehrsstraße und auch nicht mehr im Erdgeschoss. Ich habe es nicht über’s Herz gebracht, sie zu einer Hauskatze zu machen.

Anuk ist ursprünglich eine Straßenkatze aus Tunesien.

In Tunesien kann man Katzenfutter nur beim Tierarzt kaufen, und eine Dose kostet umgerechnet rund vier Euro – eine Menge Geld! Für den Staat und die Menschen dort ist es daher oft nicht möglich, sich um streunende Katzen zu kümmern. Anuk wurde als kleine Katze von einem Hund angefallen und glücklicherweise von einer ehrenamtlichen Deutschen Organisation gefunden. Die haben sie aufgepeppelt, gechipt, geimpft und nach Deutschland geflogen. Das ist billiger, als sie in Tunesien zu versorgen – unglaublich!

Ich liebe Katzen und bin mit ihnen groß geworden. Nachdem mein letzter Kater verstorben war und ich meine Trauerphase beendet hatte, habe ich regelmäßig die Zeitungsannoncen durchgeschaut, weil ich nicht ohne eine Katze sein kann. Eines Tages sah ich ein Bild in der Zeitung: Eine Angora-Katze mit langem, seidigen Fell in weiß, grau und rosa, einem dreieckigen Kopf und mandelförmigen Augen. Die Katze war so schön und besonders – die perfekte Katze. Ich bin zu der Organisation gefahren und habe sie mir angeschaut. Dadurch, dass Anuk von der Straße kam, war sie Menschen überhaupt nicht gewöhnt. Sie ließ sich nicht anfassen und war sehr scheu. Aber ich habe sie mitgenommen und ihr alle Zeit gegeben, die sie brauchte. Die ersten Monate waren hart: Sie hat im Müll gewühlt – das war sie von Tunesien gewohnt. Und sie ließ sich nicht anfassen. Aber mit der Zeit wurde sie immer zutraulicher. Nach einem Jahr waren wir ein Herz und eine Seele – sie schlief jede Nacht bei mir im Bett. Wenn ich mich umgedreht habe, biss sie mir ins Bein, weil sie das nicht mochte. Sie hat wirklich eine 180 Grad Wendung gemacht.

Es hat mir das Herz gebrochen, sie abzugeben. Aber ich wusste, dass sie bei einer Familie mit Garten ein besseres Leben hat. Wenn ich hier und jetzt einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir meine Katze Anuk in meine Arme wünschen. Und wenn es auch ein etwas größerer Wunsch sein kann, dann würde ich mir hier eine Wohnung wünschen, in der ich Anuk bei mir haben könnte.

Anna (29) aus Deutschland

Advertisements

1 Comment

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s